Hochzeiten haben in der ganzen Welt eine besondere Bedeutung und beinhalten viele Traditionen und Rituale, die allerdings auch gerne einmal modern interpretiert werden. Das gilt insbesondere für eine persische Hochzeit, deren Ablauf sich über Tausende von Jahren entwickelt und angepasst hat. Allein ihre Größe macht sie bereits zu einem außergewöhnlichen Ereignis – es werden selbst weit entfernte Verwandte eingeladen, zu denen sich Freunde, deren Freunde und häufig auch lokale Ehrengäste und Würdenträger gesellen. Eine Gesellschaft, die mehrere Hundert Teilnehmer vereint, ist eher die Regel als die Ausnahme. Besonders wird die persische Hochzeit aber auch durch ihre vielen Bräuche, die nicht selten mit einem leicht ironischen Augenzwinkern einhergehen.

Die traditionelle persische Hochzeit trägt den Namen “Aghd” und hat ihre Ursprünge bereits in der vorchristlichen Zeit. Sie wird unabhängig von der zivilen Heirat gefeiert, weil rechtliche Formalitäten den Ablauf nach landläufiger Meinung ohnehin nur stören würden. Zentraler Bestandteil ist unter anderem eine spezielle Hochzeitsdecke, die Sofreh Agdh, auf der zahlreiche symbolische Elemente aufgestellt werden. Darunter zählt etwa ein Spiegel, der Reinheit und Ehrlichkeit darstellt und in dem sich die beiden zukünftigen Ehepartner gegenseitig beobachten können. Darüber hinaus stehen auch Brot und Käse als Zeichen für kommenden Wohlstand, bunt bemalte Eier für viele Nachkommen und Mandeln sowie Hasel- und Walnüsse für gesunde Kinder bereit. Besondere Bedeutung hat ein kleiner Topf mit Honig, der ein süßes Leben versprechen soll. Bei einer muslimischen Trauung kommt auch noch ein Koran hinzu, der Gottes Segen über die Ehe bringt. Links und rechts des Spiegels stehen zwei Tafelleuchter, die Licht und Feuer symbolisieren und sich bereits aus der uralten Feuerreligion Zarathustras herleiten. Zu diesen Gegenständen gesellen sich noch weitere Elemente wie eine große Schüssel mit Münzen für Wohlstand, heilige Kräuter, “göttliche” Früchte oder Rosenwasser. Allein das festlich gekleidete Brautpaar innerhalb dieses aufwendigen Ambientes schafft bereits eindrucksvolle, einmalige persische Hochzeitsfotos. Viele weitere entstehen jedoch auch durch die zahlreichen Rituale, die die Zeremonie begleiten.

Keine Braut wird bei einer persischen Hochzeit einer Heirat sofort zustimmen. Sie muss mindestens dreimal gefragt werden und schweigt die ersten beiden Male, während die Hochzeitsgäste diverse fadenscheinige Ausreden für das Schweigen in den Saal rufen. Üblich sind dabei Kommentare wie “Sie muss erst einmal nachdenken” oder “Die Braut ist Blumenpflücken.” Frühestens bei der dritten Wiederholung willigt sie ein und gilt ab diesem Zeitpunkt als verheiratet. Anschließend tauchen Braut und Bräutigam ihren kleinen Finger in den Honig und stecken ihn sich gegenseitig in den Mund, damit die Ehe auch im wahrsten Sinne des Wortes “süß” beginnt. Während der Zeremonie halten nahestehende weibliche Verwandte einen Schleier über die Köpfe der beiden und zermahlen zwei Fingerhüte darüber. Ursprünglich war diese Rolle den unverheirateten, jüngeren Brautjungfern vorbehalten, aber diese Regel wird eher locker gehandhabt. Manchmal nähen die beiden Mütter auch noch einige Stiche in dieses Tuch – damit wird der Schwiegermutter symbolisch “der Mund zugenäht”, damit sie sich nicht in die Ehe einmischen. Denselben Zweck haben mitunter versilberte Eier, die aus dem Fenster geworfen werden und so die beiden aus der Ehe “herauswerfen”.

Nach der Zeremonie wird bei einer persischen Hochzeit wie in allen Kulturräumen die neue Ehe ausgiebig gefeiert. Es beginnt mit einem Tanz der beiden frisch Vermählten, dem sich die Gäste anschließen. Das anschließende Essen bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, von den festlich gekleideten Teilnehmern weitere typisch persische Hochzeitsfotos anzufertigen, denn alle Familien lassen sich um Essen an einem eigenen, geschmückten Tisch nieder. Bevor die Torte am späten Abend angeschnitten wird, “entführt” ein junges Mädchen das Messer und tanzt damit. Es muss vom Bräutigam mit Geld freigekauft werden. Anschließend geht das Fest bis in die frühen Morgenstunden weiter.